ÖG @ ÖKT – Das Ökumenische Gymnasium auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003
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Presse25. 2. 2018
Eucharistischer Jubel

Mit jubelnder Freude feierte die älteste Gemeinde das Mahl des Herrn. Bei uns aber herrscht eher Katerstimmung. Die jüngste päpstliche Enzyklika hat, obwohl sie, vielmehr: weil sie nichts Neues brachte, Enttäuschung hervorgerufen. Dem frommen Katholiken wird weiterhin verwehrt, in einer evangelischen Abendmahlsfeier zum Tisch des Herrn zu gehen. Umgekehrt hat der Rat der EKD seine Einladung an alle Getauften erneuert, in einem evangelischen Gottesdienst sich beim Genuss von Brot und Wein der Gegenwart Jesu Christi zu freuen. Ist aus dem Abendmahl, wovor schon Luther gewarnt hatte, ein Hadermahl geworden? Was trennt die Christen beider Konfessionen im Blick auf das heilige Mahl?

Beginnen wir mit dem eucharistischen Jubel. Er ist wesentlich für die Feier des Abendmahls. Die Glaubenden jubeln über Christi geheimnisvolle Gegenwart im Brot, das während dieses Mahles gegessen wird, und im Wein, der während dieses Mahles getrunken wird. Die Gemeinde Jesu Christi jubelt darüber, dass der Gekreuzigte lebt und dass sie mit ihm, mehr noch: dass sie von ihm leben darf: Nimm hin ...

Es geht also darum, etwas zu nehmen, etwas zu sich zu nehmen: so wie man Lebensmittel zu sich nimmt. Es geht darum, Jesus Christus als elementarstes Lebensmittel zu sich zu nehmen. Der sonst ständig geforderte und nur zu oft überforderte Mensch wird in der Feier des Abendmahls nicht auf eine weitere von ihm geforderte Tat, er wird hier nicht auf von ihm erwartete Leistungen, sondern er wird auf sein neues Dasein als Glaubender angesprochen, der mit anderen Glaubenden gemeinsam unterwegs ist zum Reiche Gottes, um dessen Kommen die Christen beten. Auf dem Weg in diese Zukunft begleitet sie die Eucharistie als Sakrament der Wegzehrung.

Ihr neues Dasein als Glaubende verdanken die Menschen dem göttlichen Wort der Gnade, dem für das Sakrament konstitutive Bedeutung zukommt. Schon Augustinus hatte es formuliert, die scholastischen Theologen, aber auch die Reformatoren haben es mit Augustinus behauptet: Indem das Wort zum Element (Brot und Wein) hinzutritt, entsteht das Sakrament. Entscheidend ist allerdings, dass das hinzutretende Wort das Evangelium ist, das mich armen Sünder von meiner Sünde befreit und dadurch reich macht, dass es mich mit Gott zusammenkommen und zusammen sein lässt. Und genau darum geht es im Abendmahl: um unser Sein als Zusammensein mit Gott. In der Eucharistiefeier regiert der Gnade ausströmende Indikativ des Evangeliums, das die Herzen der mit Gott zusammenkommenden Glaubenden höher schlagen lässt. Deshalb: Sursum corda – erhebet eure Herzen! Doch wer die Herzen beim Herrn hat, der ist keineswegs der Welt entrückt. Der Papst hat Recht: Die Eucharistie gibt "uns auf dem Weg durch die Geschichte einen Impuls", sie "fördert unseren Verantwortungssinn für die Welt".

In einer ganz bestimmten Weise gehandelt wird allerdings auch während der Abendmahlsfeier. Und deshalb muss geklärt werden, wie beides zusammenstimmt: der Ausschluss jeder als Leistung zu verstehenden menschlichen Tätigkeit einerseits und die dem Evangelium entsprechende sakramentale Handlung andererseits.

Nach der biblischen Überlieferung soll das Essen des Brotes und das Trinken des Weines geschehen "zu meinem Gedächtnis". Gemeint ist nicht nur eine historische Erinnerung, die an eine vergangene Begebenheit zurückdenkt, sondern gemeint ist ein die vergangene Begebenheit vergegenwärtigendes Eingedenksein. Das Handeln der Abendmahlsgemeinde ist also eine vergegenwärtigende Darstellung der Geschichte Jesu Christi. Das Handeln der Abendmahlsgemeinde ist ein, wie Schleiermacher es genannt hat, darstellendes Handeln und als solches genau zu unterscheiden von einem Handeln, das etwas hervorbringt oder produziert. Darstellendes Handeln hat mit der produktorientierten arbeitenden Tätigkeit, zu der uns der Alltag nötigt, nichts zu tun. Es ist ein sabbatliches Handeln, durch das wir von uns selbst entlastet werden. Und genau das geschieht im Abendmahl: Wir werden von uns selbst entlastet und dadurch fähig, die Lasten anderer tragen zu helfen.

Vergegenwärtigende Darstellung ist das deutsche Wort für das lateinische repraesentatio. In den lutherischen Bekenntnisschriften wird von denen, die das Evangelium verkündigen und die Sakramente dem Evangelium gemäß vollziehen, behauptet: Sie repräsentieren die Person Christi. An Christi Stelle und Statt bieten sie Wort und Sakramente dar.

Der päpstlichen Enzyklika sind solche Formulierungen offensichtlich zu schwach. Unter Berufung auf das Zweite Vatikanische Konzil, das behauptet hatte, der Amtspriester vollziehe das eucharistische Opfer "in der Person Christi: in persona Christi", betont die Enzyklika, dass damit mehr als ein Handeln nur "im Namen" oder "in Stellvertretung" Jesu Christi gemeint sei. In der sakramentalen Handlung ereigne sich vielmehr eine "sakramentale ... Identifizierung mit dem ewigen Hohenpriester (Jesus Christus)". Doch auch nach Luther redet und handelt in der Person des Amtsträgers Christus selbst, der die Person des Pfarrers als Amtsperson in seinen Dienst nimmt. "Nicht dass er's tue als ein Mensch, sondern sein Amt, von Gott dazu geordnet, das tut's." Und Luther preist es als "ein groß Ding, dass eines jeglichen Pfarrers Mund Christi Mund ist". Lutherische und römisch-katholische Kirche stimmen also darin überein, dass die Abendmahlsfeier das Ereignis der Selbstpräsentation Jesu Christi ist. Er ist der eigentlich Handelnde, und er handelt so, dass er das am Kreuz ein für alle Mal vollbrachte, die Welt mit Gott versöhnende Opfer zur Quelle unseres Lebens werden lässt.

Seitdem gibt es kein "Opfer" im kultischen Sinne des Wortes mehr. Opfer ist nunmehr ein metaphorischer Ausdruck für die das ganze Leben des Christen kennzeichnende Hingabe. In diesem Sinne ermahnt Paulus die Christen, sich selbst als "lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer" darzubringen – gerade nicht im Kult, sondern in jenem "vernünftigen Gottesdienst", der sich im Alltag der Welt vollzieht (Röm 12,1 f.).

Der eigentliche Gegensatz zwischen der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche ist also nicht der zwischen einer "Kirche des Wortes" und einer "Kirche des Sakramentes". Er bricht erst auf, wenn es um die Rolle der Diener am Tisch des Herrn, also um die Bedeutung der Amtsperson für die gültige Feier des Abendmahls, geht.

Evangelische Lehre geht davon aus, dass Jesus Christus der einzige Hohe Priester ist, der sein priesterliches Werk der opfernden Selbsthingabe zum Heile der Menschheit vollbracht hat und daraufhin sein priesterliches Amt so vollzieht, dass er alle an ihn Glaubenden zu solchen Priestern macht, die der Menschheit das Werk Christi bezeugen und ihr das durch dieses Werk Christi bewirkte Heil zusprechen und darbieten. Wie das kultische Opferinstitut, so beendet Jesus Christus folglich auch das kultisch verstandene Priestertum und setzt an dessen Stelle das allgemeine Priestertum aller Gläubigen.

Damit jedoch die Bezeugung und Darbietung des Heils, zu der grundsätzlich alle Glaubenden befähigt sind, geordnet vollzogen wird, hat Gott auch nach evangelischer Lehre innerhalb des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen das kirchliche Amt gestiftet, dessen vornehmste Aufgabe die Evangeliumsverkündigung und die Sakramentsverwaltung ist. Die Stiftung eines kirchlichen Amtes durch Gott soll aber nicht einem Mangel des allgemeinen Priestertums aller Glaubenden abhelfen, sondern umgekehrt den geistlichen Reichtum des allgemeinen Priestertums aller Glaubenden in Bahnen lenken und dadurch kommunikabel machen. Die kirchlichen Amtsträger vollziehen stellvertretend den der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienst. Indem sie ihn vollziehen, treten sie allerdings in der Gemeinde dieser gegenüber und verweisen damit auf das Gegenüber von Evangelium und Kirche.

Doch die päpstliche Enzyklika stellt erneut die Notwendigkeit eines Weihepriestertums heraus: "Die Gemeinde bedarf eines geweihten Priesters, der sie leitet, um wirklich eucharistische Versammlung sein zu können." Dieser Amtsträger "ist eine Gabe, die die Gemeinde durch die auf die Apostel zurückgehende Sukzession der Bischöfe empfängt". Deshalb "müssen die katholischen Gläubigen bei allem Respekt vor den religiösen Überzeugungen ihrer getrennten Brüder und Schwestern der Kommunion fernbleiben, die bei ihren Feiern ausgeteilt wird".

Was sollen wir nun dazu sagen? Nach der Enzyklika sind die katholischen Gläubigen zu dieser Abstinenz verpflichtet, weil sie sonst die Pflicht versäumen, für die Wahrheit klar Zeugnis abzulegen. Für die Wahrheit des Evangeliums? Die Konstruktion einer über die Handauflegung des Bischofs laufenden apostolischen Sukzession ist schon historisch nicht haltbar, kann also kaum als Wahrheit geltend gemacht werden. Und dass, wie die Enzyklika behauptet, Maria in "ihrem ganzen Leben ... eine 'eucharistische' Frau" ist, hat mit der Wahrheit des Evangeliums aber auch gar nichts zu tun. Man wird der Enzyklika gern zustimmen, wenn sie fordert, dass das "eucharistische Mysterium ... nicht verkürzt und nicht verzweckt werden" darf. Und man darf fragen, ob es nicht eine Verkürzung darstellt, wenn der Kelch in der Regel dem Priester vorbehalten bleibt. Das Abendmahl sollte aber auch von Wucherungen freigehalten bleiben. Die Bibel selbst warnt nicht nur davor, es zu verkürzen, sondern auch davor, es durch Hinzufügungen zu entstellen. In diesem Sinne wird man den Satz der Enzyklika ergänzen müssen: "Die Eucharistie ist ein zu großes Gut, um Zweideutigkeiten und Verkürzungen zu dulden." Sie duldet auch keine Ergänzungen.

Der Papst hofft, dass das eucharistische Mysterium "einen neuen Schwung im christlichen Leben" bewirkt. Wir vertrauen auf diesen von der Abendmahlsfeier ausgehenden "neuen Schwung im christlichen Leben". Und insofern kann die evangelische Kirche, wenn sie in apostolischer Autorität, nämlich schriftgemäß, das Abendmahl feiert, sich den Satz der Enzyklika vorbehaltlos zu Eigen machen: "Der Schatz der Eucharistie, den uns der Herr anvertraut hat, spornt uns an, nach dem Ziel der vollen eucharistischen Gemeinschaft mit allen Brüdern und Schwestern zu streben, mit denen uns die Taufe verbindet."

Der Autor ist emeritierter Professor für Systematische Theologie in Tübingen und leitet die Forschungsstelle der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg.

Autor: Eberhard Jüngel
Quelle: Rheinischer Merkur
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