ÖG @ ÖKT – Das Ökumenische Gymnasium auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003
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[Foto: Lichtshow auf dem Kirchentag in Leipzig]
Gottesdienste können auch anders aussehen - wie diese Lichtshow auf dem Kirchentag in Leipzig zeigt.



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Der erste Ökumenische Kirchentag endete vor 5469 Tagen am 1. Juni 2003. Seit dem Schlussgottesdienst vergingen 7.880.205 Minuten (das sind 131.337 Stunden).




Presse25. 5. 2018
Begegnung: Jung, jüdisch, deutsch

Spaziergänger schauen an diesem Sonntagmorgen angestrengt zur Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße hinüber, als würde etwas Ungewöhnliches geschehen. Touristen mit Kameras werden von Polizisten diskret zur Seite gebeten. In der Synagoge beginnt bald der Gottesdienst. Eine jüdische Familie im dunklen Habit betritt das Gebäude. Ein Sicherheitsbeamter fährt mit dem Metalldetektor über die Körper. Die Ausweise müssen gezeigt werden. Rimon lacht über die Frage, ob ihn das stört. "Das nehme ich schon lange nicht mehr wahr", sagt der 17-Jährige mit fester Stimme und betritt die Synagoge.

Viele von Rimons Freunden leben ein normales Leben. Oft trifft er sich mit ihnen im Beth-Café an der Tuchols-kystraße. Auch Rimons Schulkollegin Irina gibt der Bedrohung keinen festen Platz im Alltag. Sie lebt kein Leben streng nach der Thora, sie sucht ihren Platz eher in der säkularen Welt. Trotzdem empfindet sie sich als Jüdin, trägt den Davidstern am Hals. Für die selbstbewusste junge Frau heißt jüdisch sein noch immer, anders betrachtet zu werden. Das empfindet sie als unangenehm, ständig müsse sie sich erinnern. "Berlin", sagt sie, "ist gerade für ältere Juden eine Stadt voller Blut auf den Bürgersteigen, das man nicht sieht."

Im Café, das zur israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel gehört, wird oft lebhaft diskutiert. Hört man den Gesprächen zu, wird klar: Rimon, Irina und ihre Freunde gehören zu einer neuen Generation in Deutschland: jung, jüdisch – und deutsch. Ein Lebensgefühl. Sie lassen die Vergangenheit nicht ruhen, wollen sich aber der Zukunft hinwenden, Neues schaffen. Eine Generation, die glaubt, dass man des Holocaust auch gedenken kann, ohne dabei in Lähmung zu verfallen.

Auch wenn orthodoxe Juden in dunklen Anzügen, mit schwarzen Hüten über der Kippa im Gegensatz zu Brooklyn hier noch immer bestaunt werden wie Wesen von einem fremden Stern, so ist man im Beth-Café unverkennbar stolz, dass sich im Viertel inzwischen wieder so etwas wie ein Zentrum jüdischen Lebens entwickelt hat. Da ist das "Tabalurium", das jiddische Witzsammlungen, CDs mit Klezmer und israelischem Pop und Ritualien für Festtage im Sortiment hat; da ist das "KolBo" in der Auguststraße, das koschere Lebensmittel verkauft; und da sind Zeitungskioske, wo Leute in jüdischen Blättern wie "Tachles", "Jüdisches Europa" oder dem europäisch-jüdischen Magazin "Golem" stöbern können. In den Szenecafés hängt der Veranstaltungskalender des Jüdischen Museums – ein Schmuckstück unter Berlins neuer Hauptstadtarchitektur – gleich neben dem Club-Guide aus.

Es gibt jedoch Orte, die Touristen geradezu klischeeüberladen präsentiert werden. Wie die Gegend rund um den Rosa-Luxemburg-Platz, in der sich um 1900 viele Juden aus Osteuropa ansiedelten. Stadtführer schwärmen von einer archaisch anmutenden Welt voller Ostjuden mit Schläfenlocken und Klezmer-Romantik, die es so nie gab.

Jewish Disneyland werden diese Orte von einigen nicht ohne Groll genannt. Gerade rund um die Oranienburger Straße gibt es viele Trittbrettfahrer. Mit dem Namen "Mendelssohn" werben auch Cafés, die Schweinefleisch mit Rahmgemüse servieren. Doch es gibt mittlerweile eine zunehmende Zahl geschichtlich Interessierter, die das Gütesiegel "koscher-style" genauer unter die Lupe nehmen. Der Stadtrundgang "Jewish Disneyland – die Vermarktung des Jüdischen" ist oft ausgebucht.

Auf Jewish Disneyland ist auch die Stadtführerin Iris Weiss nicht gut zu sprechen. Auf ihren Rundgängen erklärt sie Berlinern und Touristen Rituale, Strömungen und Tendenzen. Sie führt ihre Gäste zu Orten, die nicht jeder kennt. Im Schöneberger bayerischen Viertel zeigt sie ihnen Zeitschilder, die die Entwicklung zur Deportation verdeutlichen. "Vor der Deportation 1941: Nun ist es so weit. Morgen muss ich fort, das trifft mich natürlich. Ich werde dir schreiben", steht auf einem Schild.

Sie zeigt ihnen die ehemaligen Wohnorte lebender Zeitzeugen. Sie führt auf den Koppenplatz, wo ein Tisch aus Metall und zwei große Stühle aufgebaut sind. Einer der Stühle liegt stets umgekippt da, als hätte jemand ihn hastig verlassen müssen. Iris Weiss erzählt von Touristen, für die jüdisches Leben nur dann interessant ist, wenn es "exotisch oder lange vergangen ist".

Von weitem schon glänzt die goldverzierte Kuppel der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße. Neugierige aus aller Welt betreten hier vielleicht zum ersten Mal eine Synagoge. Israelische und deutsche Studenten führen hier gemeinsam durch die jüdische Geschichte. Die restaurierten Säulen und prächtigen Treppenaufgänge, die Fresken und Stuckfragmente und die leicht beschädigte silberne "Ewige Lampe" versetzen einen für einen Augenblick in die Zeit zurück, als in Berlin 170 000 Juden ihren Alltag lebten. Wenn da nicht diese Gedenktafel wäre: 1866 eingeweiht, im November 1938 von den Nazis zerstört, erst 1995 restauriert wiedereröffnet. Das Gebäude, ursprünglich dreimal so groß, bietet heute im Gebetsaal wieder 80 Gläubigen Platz.

Orthodoxe und Liberale finden sich unter dem Dach der zahlenmäßig größten jüdischen Gemeinde in Deutschland. Sie versteht sich als so genannte Einheitsgemeinde. Auch wenn das jüdische Leben wieder blüht, gären religiöse Spannungen. Rapider Zuwachs kommt vor allem aus den osteuropäischen Ländern, allen voran aus Russland. Nur wenige der Immigranten verfügen über religiöses Basiswissen. Das hat auch Rabbiner Yehuda Teichtal erkannt. Der quirlige Mann, der Berlin als "Stadt ohne richtiges Judentum" bezeichnet hat, gründete an der Spree eine rabbinische Lehranstalt und ist oberster Öffentlichkeitsarbeiter des Berliner Ablegers von Chabad Lubawitsch, einer orthodox ausgerichteten jüdischen Organisation. Unlängst wurden die ersten Rabbiner-Examen überreicht, was in liberal-jüdischen Kreisen für Unbehagen sorgt.

Das geistig-religiöse Leben in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist facettenreich. Es formiert sich ständig neu, Dynamik ist drin. In der Synagoge Oranienburger Straße dürfen heute Frauen bei der Simchat-Thora-Feier mit der Thora-Rolle in den Händen tanzen und auch als Vorbeterin agieren – ohne dass dafür dem Rabbiner gekündigt wird.

Mit Veranstaltungen wie den Jüdischen Kulturtagen und dem Straßenfest im Juni will die Gemeinde vor allem die Kreativszene stärken. "Starke Frauen des israelischen Kinos", "Bilder des anderen Deutschland und Israel in den Medien" sowie "Fashion-Nights" heißen einige Programmpunkte. Vor allem Vereine wie Yachad stehen für eine junge, jüdische Kultur in der Stadt.

Um das heutige jüdische Leben in Berlin zu verstehen, sollte man sich die Orte, die an die Schoah erinnern, immer wieder vergegenwärtigen. Wie den ältesten jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße. 1943 zerstört, ließ die SED selbst die Überreste verkommen. Nebenan erinnert eine Figurengruppe daran, dass von diesem Ort über 55 000 Berliner Juden in die Vernichtungslager abtransportiert wurden.

Ein Ort des stillen Erinnerns, des Trauerns. Richtet man den Blick nach oben, leuchtet die goldene Kuppel der Neuen Synagoge am Himmel. Wie ein Ausrufezeichen, das für die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft in Berlins alter neuer Mitte steht.

Autor: Vera Rüttimann
Quelle: Rheinischer Merkur
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Bundestagspräsident Wolfgang Thierse gestaltete den Kirchentag auch dieses Jahr wieder aktiv mit.


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[Grafik: Sondermarke des Ökumenischen Kirchentages]
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Insgesamt fuhren 25 Lernende oder Lehrende des ÖG nach Berlin. Davon sind 20 Schülerinnen, drei Schüler und zwei Lehrer.
Eine Liste mit allen Kirchentagsfahrern des ÖG findest du in der Rubrik „Die Gruppe“.


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