ÖG @ ÖKT – Das Ökumenische Gymnasium auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003
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[Grafik: Karikatur zur Ökumene]
Abendmahlsstreit im Ökumenischen Rat der Kirchen



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In der Rubrik Bücher stellen wir Literatur zu Ökumene, Kirchentag und Religion allgemein vor.



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[Foto: Abschlussgottesdienst 1981 im Berliner Olympia-Stadion]
Auf dem letzten Berliner Kirchentag (1981) vor dem ÖKT fand der Abschlussgottesdienst im Olympia-Stadion statt.



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Der erste Ökumenische Kirchentag endete vor 5469 Tagen am 1. Juni 2003. Seit dem Schlussgottesdienst vergingen 7.880.189 Minuten (das sind 131.336 Stunden).




Presse25. 5. 2018
Mitten im Leben

Cidade Nova ist eine der typischen Favelas, der Armensiedlungen in São Paulo. Entlang eines Abwasserkanals kleben elende Holzhütten an den Hängen über der stinkenden Brühe. "Die meisten Menschen hier leben vom Müll", meint Schwester Penha Adreoni und weist auf einen Schuppen, in dem sich Schuhe stapeln: "In São Paulo gibt es mehr als 300 Favelas und Zehntausende Müllsammler, die die Abfälle der Reichen sortieren. Alles wird gesammelt, sortiert und weiterverkauft – wie eben auch die alten Schuhe hier."

Mitten im Viertel steht die kleine Kirche Santa Rita. "Hier haben wir uns die Kraft für unseren Kampf geholt", sagt Gil Dezio, einer der Katecheten in der kleinen Gemeinde, die von den Ordensfrauen der Gemeinschaft der Schwestern vom heiligen Vincent von Paul geleitet wird. "Wir haben hier immer gekämpft", erzählt Gil Dezio. "Um das Recht, hier wohnen zu dürfen, um Wasser, um Strom, um Schulen für unsere Kinder. Geholfen dabei hat uns die Arbeit mit der Bibel." Der 46-jährige Mann weist auf die Kapelle von Cidade Nova: "Das ist das Zentrum der Favela. Die Kapelle und die Bibel."

"Leitura popular", populäre Bibellektüre, nennen die kirchlichen Basisgemeinschaften in Brasilien die Methode, beim Lesen der Bibel auch die eigenen Probleme, die harte Wirklichkeit des Alltags vor Augen zu haben. "Die Bibel erscheint so den Menschen wie ein Spiegel ihrer Wirklichkeit", beschreibt es Pater Carlos Mesters, einer der führenden Theologen der "leitura popular". "Ausgehend von der Verbindung zwischen Bibel und Leben machen die Armen die größte Entdeckung von allen: Wenn Gott in der Vergangenheit mit seinem Volk war, dann ist Er auch mit uns in diesem Kampf, um uns zu befreien. Er hört auch unseren Schrei!"

Carlos Mesters, Ordensmann und Theologe, ist Mitbegründer des ökumenischen Zentrums für Bibelstudien, "Centro de Estudos Biblicos" (Cebi), das seit seiner Gründung 1976 die populäre Bibelarbeit in Brasilien fördert. "Aus der Lektüre der Bibel erwächst in den Basisgemeinden die Dynamik, in Gemeinschaft zu leben und aus dieser Gemeinschaft heraus dem Volk zu dienen", erklärt der Karmelit den Prozess der "leitura popular". Ausgehend von der Realität des verarmten Volkes die Bibel zu lesen und daraus Mut zu schöpfen für die Widrigkeiten der Realität – das ist der Ansatz der "leitura popular", wie sie Cebi entwickelt hat. Methode und Veröffentlichungen des Zentrums haben inzwischen Verbreitung in ganz Lateinamerika gefunden. Auch in Europa entdecken immer mehr Christen diese "andere" Art, die Bibel zu lesen.

In Cidade Nova erwuchs aus der Lektüre der Bibel die Gemeinschaftsarbeit der Menschen für das Viertel. "Abends lasen und redeten wir über den Marsch des Volkes Gottes durch die Wüste, und tagsüber bauten wir an der Wasserleitung für unser Viertel", berichtet Gil Dezio, der zum Leitungsteam der Gemeinde in Cidade Nova gehört. Noch immer gibt es in der Favela keinen ständigen Priester; die Seelsorge wird von drei Ordensfrauen und Laien geleistet. Regelmäßig nimmt Gil Dezio an den Fortbildungstreffen teil, die das Bibelzentrum auch in São Paulo veranstaltet. In einem Schulzentrum der Maristenbrüder im Osten der Stadt finden Bibelschulungen, Kurse für Leiter von Bibelkreisen und Koordinationstreffen statt.

In fast allen Bundesstaaten Brasiliens ist das Zentrum für Bibelstudien inzwischen mit Kursen und Einrichtungen vertreten. In fast 600 Städten wurden allein im vergangenen Jahr mit dem Ausbildungsprogramm rund 188 000 Menschen erreicht, überwiegend Laienmitarbeiter in der Pastoral und Engagierte in sozialen Bewegungen. Mehr als 4000 Menschen haben sich mittlerweile in einem vom Cebi entwickelten Fernkurs für Bibelstudien eingeschrieben. Und die Bücher über die Bibelarbeit haben inzwischen eine Auflage von 420 000 Exemplaren erreicht: "Dabei muss man bedenken, dass in Brasilien Bücher immer nur von einem in der Gruppe gekauft werden, weil sie teuer sind", sagt Cebi-Nationalsekretär Erni Mugge. "Die Übrigen in der Gruppe kopieren sie sich."

Die Methode der "leitura popular" findet inzwischen in ganz Lateinamerika Anhänger. "Soweit wir wissen, gibt es inzwischen Übersetzungen unserer Bücher in Argentinien, Bolivien, Mexiko, auf Kuba und in der Karibik", berichtet Erni Mugge. Die Bücher von Carlos Mesters und anderen Theologen des Zentrums sind inzwischen auch in Europa bekannt – und das nicht nur, weil es überwiegend von kirchlichen Werken in Europa wie Adveniat, Fastenopfer Schweiz oder der Dreikönigsaktion in Österreich getragen wird.

Vor kurzem fand in Essen eine beachtete Tagung mit Cebi-Vertretern statt, die von Adveniat und dem Bistum Essen gemeinsam veranstaltet wurde. Die Christen in Deutschland können nach Ansicht von Weihbischof Franz Grave, dem Vorsitzenden der Bischöflichen Kommission Adveniat, viel von den lateinamerikanischen Katholiken im Umgang mit der Bibel lernen. "Gerade im Jahr der Bibel gilt es, über den Tellerrand hinauszuschauen und wahrzunehmen, wie die Bibel in den so genannten armen Ländern die Menschen bereichert", sagt Grave.

Die Vernetzung der lateinamerikanischen Bibelarbeit, die in den vergangenen Jahren auf dem Halbkontinent vorangetrieben wurde, soll daher auch Europa einbeziehen. "Das Cebi ist eigentlich eine große Basisuniversität", sagt Erni Mugge. "In derzeit mehr als 10 000 Reflexionsgruppen allein in Brasilien helfen wir dem Volk, die Bibel wieder in Besitz zu nehmen, in ihr Licht und Hoffnung zu finden." Gerade weil das Zentrum für Bibelstudien von Beginn an ökumenisch arbeitet, könne es beispielhaft für die Bibelarbeit in Deutschland sein.

Autor: Christian Frevel
Quelle: Rheinischer Merkur
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[Foto: Bischof Huber]
Der Berliner Bischof Huber feierte den Eröffnungsgottesdienst vor dem Brandenburger Tor.


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[Foto: Programmheft des Ökumenischen Kirchentages]
720 Seiten umfasste allein das Programm des ÖKT. Lesen kannst du es auf der Webseite des Ökumenischen Kirchen- tages.



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Insgesamt fuhren 25 Lernende oder Lehrende des ÖG nach Berlin. Davon sind 20 Schülerinnen, drei Schüler und zwei Lehrer.
Eine Liste mit allen Kirchentagsfahrern des ÖG findest du in der Rubrik „Die Gruppe“.


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2. Thessalonicher 3, 16


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