ÖG @ ÖKT – Das Ökumenische Gymnasium auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003
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[Grafik: Karikatur zur Ökumene]
Die Schafe sind ihren Hirten in Sachen Ökumene weit voraus.



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[Foto: Abschlussgottesdienst 1981 im Berliner Olympia-Stadion]
Auf dem letzten Berliner Kirchentag (1981) vor dem ÖKT fand der Abschlussgottesdienst im Olympia-Stadion statt.



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Der erste Ökumenische Kirchentag endete vor 5465 Tagen am 1. Juni 2003. Seit dem Schlussgottesdienst vergingen 7.874.456 Minuten (das sind 131.241 Stunden).




Presse21. 5. 2018
Die Welt ist farbig

Ökumene – im Griechenland der Antike bedeutete das Wort: „den ganzen bewohnten Erdkreis betreffend“. In der Folge, das heißt in den ersten Jahrhunderten sich ausbreitenden Christentums, wurde „Ökumene“ zum Synonym für alles, was die Kirche als Ganzes betraf. Die sieben „Ökumenischen Konzilien“ besitzen bis heute letzte kirchliche Autorität. Weltumspannend waren sie, weil Vertreter aus allen Gebieten der damaligen Christenheit an ihnen teilnahmen. Vor allem im 20. Jahrhundert erlebte der Begriff „Ökumene“ nochmals einen Bedeutungswandel: Er bezeichnete nunmehr die weltweiten Beziehungen zwischen Christen unterschiedlicher Konfession und das Bestreben, ungeachtet verschiedener Traditionen und Lehrmeinungen die Einheit wieder herzustellen oder sich ihr zumindest anzunähern. Neben der konfessionellen enthält „Ökumene“ auch eine kulturelle Facette: Denn im Zuge der Missionierung wurde das Christentum in verschiedenen Ländern in einen je anderen kulturellen Kontext eingebettet. „Inkulturation“ des Evangeliums – so das theologische Schlagwort.

Heute nun kommen Christen aus den einstigen Missionsgebieten in Afrika, Asien und Lateinamerika als Einwanderer nach Deutschland. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um katholische oder evangelische Christen handelt: Wer als katholischer Ghanaer oder Tamile kommt, gehört automatisch einer deutschen Ortsgemeinde oder einer ausländischen Mission innerhalb einer Diözese an. Denn die katholische Kirche ist Weltkirche. Anders die evangelischen Kirchen mit landeskirchlicher Verfassung: Ein evangelischer Christ, zum Beispiel aus Thailand, ist hier nicht von vornherein Mitglied einer deutschen Kirchengemeinde. Konsequenz: die Gründung einer Vielzahl von evangelischen Migrationskirchen – die ghanaisch-presbyterianische Kirche, die kongolesische „Assemblée de Dieux“, die „Indian Church Community“ –, alle nach konfessionellen und nationalen Grenzen gegliedert.

Allein in Nordrhein-Westfalen existieren über 400 evangelische Migrationskirchen – einige von ihnen mit sehr kleinen Gemeinden, mit nur 20 bis 30 Mitgliedern; manche sind auch größer mit bis zu 500 Mitgliedern. Diese Vielzahl bringt eine enorme Zersplitterung mit sich; und sie führt zu einer „Ghettoisierung“ der Migranten, die weitgehend isoliert von den deutschen Gemeinden und der deutschen Gesellschaft bleiben.

Dieser Zersplitterung entgegenwirken, eine gemeinsame Stimme finden – mit diesem Ziel startet ein neuer Verband, in dem sich immerhin 120 Migrationskirchen zusammengeschlossen haben: der „Verband der evangelischen und pfingstlich-charismatischen Migrationskirchen“. Seine Gründung wurde bei einem Treffen in Essen Ende Januar beschlossen, nach dem Vorbild eines ähnlichen Verbandes in den Niederlanden. Pastorin Claudia Währisch-Oblau, Beauftragte für Christen und Gemeinden fremder Sprache und Herkunft bei der Vereinten Evangelischen Mission: „Es geht zum einen darum, dass diese Kirchen sich in Deutschland integrieren wollen. Sie wollen Teil der deutschen Gesellschaft, Teil auch der ,kirchlichen Szene‘ in Deutschland werden. Das heißt: Der Verband möchte eine starke Außenwirkung erzielen, ein sehr starkes Signal auch an die deutschen evangelischen Kirchen richten: Bitte nehmt uns als ökumenische Partner ernst, als Menschen, die mit euch hier in Deutschland Kirche sein wollen!“

Der Verband als gemeinsame Stimme – dazu müssen erst einmal kulturell bedingte Differenzen und Vorurteile zwischen den verschiedenen Migranten-Gruppen ausgeräumt werden, zwischen Koreanern und Indern oder zwischen Ghanaern und Nigerianern. Zudem gilt es, auch konfessionelle Unterschiede zu überbrücken, etwa zwischen Presbyterianern und Angehörigen von Pfingstkirchen, selbst wenn sie aus demselben Land stammen.

„Der Austausch“, so Pastorin Währisch-Oblau, „läuft immer auf zwei Ebenen – auf der konfessionellen und auf der kulturellen – und dann auch zwischen diesen Ebenen kreuz und quer. Das ist in der Praxis überhaupt nicht einfach, weil es auf Seiten der traditionell gewachsenen Kirchen – also Presbyterianer, reformierte und lutherische Christen, Anglikaner, Methodisten, Baptisten – oft sehr große Vorbehalte gegenüber Pfingstlern und Charismatikern gibt. Diese werden schnell verdächtigt, Sekten zu sein. Umgekehrt haben auch Pfingstler und Charismatiker ihre Vorbehalte gegenüber den so genannten ,main line protestants‘. Ihr Vorwurf an die traditionellen Kirchen: Ihr seid eigentlich geistlich tot!“

Das seien Vorverständnisse, denen man ständig begegne und die zu überwinden seien, sagt die Pastorin. „Das braucht sehr viel Arbeit und sehr viele Gespräche.“ Ökumenischer Austausch findet bereits in der Praxis statt, etwa bei gemeinsamen Gottesdiensten: So wird in jedem Jahr in einer der großen Innenstadtkirchen von Essen, in der Kreuzes-Kirche, ein Pfingstgottesdienst gefeiert, an dem zehn bis zwölf Gemeinden beteiligt sind – deutsche landeskirchliche und verschiedene Migrationsgemeinden. Dabei treffen die unterschiedlichen – kirchlichen wie auch kulturellen – Traditionen aufeinander.

Insgesamt lässt sich bei allen Migrationskirchen großes Interesse am theologischen und spirituellen Austausch beobachten – untereinander, aber auch mit deutschen evangelischen Kirchengemeinden. Hier aber bestehen noch erhebliche Probleme, denn in deutschen Gemeinden findet sich oft eine Haltung gegenüber Migrationsgemeinden nach dem Muster: Ihr dürft unsere Räumlichkeiten mitnutzen! Wir verstehen uns als Gastgeber, und Ihr seid unsere Gäste auf bestimmte Zeit! „Die Erkenntnis, dass diese Menschen auf Dauer bei uns leben und dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, ist noch nicht bei der breiten Bevölkerung angekommen“, so die Pastorin.

Viele Zuwanderer, oft schon in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland lebend, empfinden diese ihnen entgegengebrachte Haltung der „ökumenischen Gastfreundschaft“ als ungenügend, ja kränkend. Yong-Choon Choi, Pastor der Koreanischen Hanbit-Kirche in Köln, bringt das Unbehagen auf den Punkt: „Unsere Kirche besteht seit mehr als 20 Jahren. Aber unsere deutschen Partnerkirchen nennen uns noch immer ,Gastgemeinde‘. Obwohl viele von uns längst die deutsche Staatsbürgerschaft haben, sind wir noch immer Gäste für sie. Ich möchte die Begrifflichkeiten verändern. Und der neue Verband kann die Einstellung der deutschen Kirchengemeinden uns gegenüber beeinflussen. Denn wir möchten, dass sie uns als Brüder und Schwestern in Christus und nicht nur als vorübergehende Gäste ansehen!“

Und der ökumenische Dialog mit katholischen Gemeinden? Grundsätzlich plant der neue Verband, Gespräche auch mit Migrationsbeauftragten katholischer Bistümer aufzunehmen. Konkrete Formen der Zusammenarbeit sind jedoch noch nicht entwickelt worden – dazu ist es noch zu früh. Zumindest angedacht wird auch, dass der Verband der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“ (ACK) beitreten könnte. Daraus würden Kontakte nicht nur zu katholischen, sondern auch zu orthodoxen Gemeinden entstehen.

In der Praxis ergeben sich schon jetzt Kooperationen zwischen evangelischen Migrationsgemeinden und katholischen Ortsgemeinden, wie ein konkretes Beispiel in Düsseldorf zeigt: Dort ist die „New Life Fellowship“ ansässig, eine internationale Gemeinde, von afrikanischen Migranten gegründet. Inzwischen hat sie 400 Mitglieder, davon bereits ein Viertel Deutsche und ein weiteres Viertel Einwanderer nicht-afrikanischer Herkunft.

Die „New Life Fellowship“ war lange Zeit Gastgemeinde bei einer deutschen evangelischen Kirchengemeinde. In dem Maße, in dem die Mitgliederzahl wuchs, wurden die dortigen Räumlichkeiten irgendwann zu klein; geeignete Räume in einer evangelischen Gemeinde waren jedoch nicht zu finden. Hilfe bot die katholische St.-Vinzenz-Gemeinde in Düsseldorf-Flingern, die sich mit der Gemeinde St. Elisabeth und anderen Pfarreien zu einem Pfarrverband zusammenschließen und justament zu dieser Zeit ihr altes Kirchengebäude aufgeben wollte.

Mithilfe des für Düsseldorf zuständigen katholischen Weihbischofs von Köln, Friedhelm Hofmann, des evangelischen Stadtsuperintendenten von Düsseldorf und weiterer Kirchenvertreter wurde der „New Life Fellowship“ ermöglicht, das Gebäude der St.-Vinzenz-Kirche zu übernehmen. Sie hat einen Pachtvertrag über 30 Jahre und zahlt im Jahr eine symbolische Summe von einem Euro als Pachtgebühr. Dafür hat sie sich verpflichtet, das Gebäude instand zu halten – eine gute Lösung für die Migrationsgemeinde. Denn sie verfügt über wenig Kapital, durch Spenden jedoch über genügend Einnahmen, um notwendige Reparaturen zu bezahlen.

Seit Weihnachten 2001 hat die „New Life Fellowship“ in der St.-Vinzenz-Kirche nun ein neues Zuhause gefunden. Mittlerweile, so ist von Pastorin Währisch-Oblau zu erfahren, ist aus dem Vertrag eine interessante ökumenische Partnerschaft zwischen der evangelischen Migrationsgemeinde und der katholischen Ortsgemeinde St. Elisabeth und St. Vinzenz entstanden: „Ich weiß, dass der katholische Pfarrer bereits vor der ,New Life Fellowship‘ gepredigt hat und deren ghanaischer Pastor umgekehrt vor der katholischen Gemeinde.“

Auch Weihbischof Hofmann war Mitte März zu Gast bei der „New Life Fellowship“: In der St.-Vinzenz-Kirche wurde ihm ein enthusiastischer Empfang mit Gospel-Musik bereitet: „O Happy Day ...!“ Und es gab ein stimmungsvolles, ökumenisches Fest, gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus der katholischen Ortsgemeinde. „Einheit in Vielfalt“ – so ließe sich das Motto des neuen Verbandes umschreiben. Pastor Joshua Wilfred aus Sierra Leone formuliert: „Ich habe begriffen, dass ich den besten Teil dessen, was afrikanisch ist, und dessen, was europäisch ist, zusammenfügen muss. Wenn ich in der Mitte stehe, dann kann ich werden, wie Gott mich will. Darum glaube ich an wechselseitiges Verständnis und Selbstachtung für jedermann. Denn die Welt sollte nicht einfach nur in Schwarz oder Weiß eingeteilt werden, es sollten mehr Farben zugelassen werden. So wird die Welt insgesamt schöner!“

Autor: Anja Kordik
Quelle: Rheinischer Merkur
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[Foto: Programmheft des Ökumenischen Kirchentages]
720 Seiten umfasste allein das Programm des ÖKT. Lesen kannst du es auf der Webseite des Ökumenischen Kirchen- tages.



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Insgesamt fuhren 25 Lernende oder Lehrende des ÖG nach Berlin. Davon sind 20 Schülerinnen, drei Schüler und zwei Lehrer.
Eine Liste mit allen Kirchentagsfahrern des ÖG findest du in der Rubrik „Die Gruppe“.


Leben
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
Hiob 19, 25


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